Aktuelle wissenschaftliche Studie zeigt: Bewerbende nutzen zunehmend ChatGPT & Co. für die Jobsuche – Arbeitgeberbewertungen als Quelle sorgen für hohe Glaubwürdigkeit
Wien, Oktober 2026.Immer mehr Menschen suchen überKI-Tools wie ChatGPT oder Claude nach einem neuen Job. Dabei werden vor allem Arbeitgeberbewertungen für Bewerbende zu einem wichtigen Korrektiv, wenn sie passende Arbeitgeber recherchieren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen wissenschaftlichen Studie für den deutschen Arbeitsmarkt. Initiiert wurde die Analyse von einem interdisziplinären Forschungsteam der Wirtschaftsuniversität Wien, des IMC Krems und der Universität Amsterdam. Für die Untersuchung wurden deutschlandweit 2.076 Kandidat*innen zu ihrer Jobsuche befragt. Demnach nutzen bereits heute 29% der Bewerbenden KI-Tools für ihre Jobsuche sowie für ihre Arbeitgeberrecherche. Weitere 44% können sich das für ihre nächste Suche grundsätzlich vorstellen. Besonders ausgeprägt ist die KI-basierte Jobsuche bei jüngeren Bewerbenden. Von den 18- bis 29-Jährigen greifen bereits 38% auf KI-Tools zurück, wenn sie eine neue berufliche Herausforderung suchen. Weitere 43% können sich dies vorstellen. Interessant: Die hohe Akzeptanz hängt mit einem hohen Vertrauensvorschuss in die dort ausgespielten Informationen zusammen. So halten 42% der Befragten KI-Recherche-Ergebnisse zu Jobs und Arbeitgebern im Vergleich zur konventionellen Suche über Google und/oder Jobbörsen für glaubwürdiger. Nur 15% halten KI-Ergebnisse für unglaubwürdiger.
Bewertungen werden zur zentralen Quelle der KI-Jobsuche
Welche Rolle Arbeitgeberbewertungen in der KI-gestützten Jobsuche spielen, zeigt der Blick auf die Quellen, die Bewerbenden in den Antworten von ChatGPT & Co. auffallen. Dabei fallen den Bewerbenden vor allem externe Einschätzungen über Arbeitgeber auf. Denn mehr als zwei Drittel (69%) fallen Bewertungen von Portalen wie kununu oder anderen Arbeitgeberbewertungsplattformen in den KI-Antworten von ChatGPT & Co. auf. Auch Presseberichte sowie Beiträge in Foren, Communities oder sozialen Medien spielen eine Rolle: Beide Quellenarten fallen jeweils 58% der Befragten im Zusammenhang mit der KI-Jobsuche auf. Am meisten nehmen die KI-Jobsuchenden allerdings noch Eigenmedien der Arbeitgeber wahr. 82% der Befragten geben an, Quellen wie die Karriereseite eines Unternehmens im Zusammenhang mit ihrer KI-Recherche registriert zu haben.
Wie stark vor allem Bewertungen die Einschätzung von Arbeitgebern prägen, zeigt sich auch dann, wenn KI-Tools konkrete Arbeitgeber empfehlen. Werden Jobsuchende beispielsweise von ChatGPT auf einen Arbeitgeber aufmerksam gemacht, der gleichzeitig schlechte Bewertungen aufweist, orientieren sich mehr als drei Viertel der Befragten eigenen Angaben zufolge (76%) an den Bewertungen. „KI verändert die Jobsuche nicht dadurch, dass sie bisherige Kanäle wie Google einfach ersetzt. Vielmehr gehen Bewerbende in einen Dialog mit dem KI-Tool ihrer Wahl, das Empfehlungen ausspricht, welche Arbeitgeber infrage kommen und vor allem auch, welche nicht. Basis dieser Empfehlungen sind in den meisten Fällen Bewertungen von Mitarbeitenden, Ex-Mitarbeitenden oder anderen Kandidat:innen“, erklärt Prof. Dr. Markus Latzke vom IMC Krems.
KI-Empfehlung allein reicht vielen Bewerbenden nicht
Damit setzt sich ein Befund fort, den das Forschungsteam bereits in früheren Untersuchungen zu Arbeitgeberbewertungen herausgearbeitet hat: Bewertungen sind für viele Bewerbende längst kein beiläufiger Zusatzaspekt mehr, sondern ein fester Bestandteil der Arbeitgeberrecherche. „Neu ist nun, dass sie diese wichtige Rolle auch innerhalb der KI-gestützten Suche behaupten. Sie werden dort zu einer Art Prüfstein für automatisch generierte Arbeitgeberempfehlungen“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien. Aus Sicht der Befragten folgt aus der gestiegenen Bedeutung von Bewertungen auch eine klare Erwartung an Arbeitgeber. Fast die Hälfte der Bewerbenden (47%) wünscht sich, dass Unternehmen Bewertungen neutral fördern. Noch höher ist der Anteil derjenigen, die einen aktiven Umgang mit Kritik erwarten. 54% möchten, dass Arbeitgeber auf negative Bewertungen antworten und Stellung beziehen. 52% finden zudem, dass Arbeitgeber Bewertungen analysieren und das Feedback nutzen sollten, um sich als Arbeitgeber positiv weiterzuentwickeln.
Über die Studie
Für die repräsentative Online-Umfrage befragte ein interdisziplinäres Wissenschaftsteam im Mai 2026 insgesamt 2.076 Bewerber*innen in Deutschland. Alle Teilnehmenden befanden sich in den vergangenen zwölf Monaten in mindestens einem Bewerbungsprozess. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 44,5 Jahren. Die Stichprobe setzte sich zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen zusammen. Zudem wurden heterogene Bildungsklassen abgebildet: 33% der Befragten verfügten über ein niedriges, 34% über ein mittleres und 34% über ein höheres Bildungsniveau. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Untersuchung stand die Rolle von Arbeitgeberbewertungen im Bewerbungsprozess, insbesondere im Kontext KI-gestützter Jobsuche und Arbeitgeberrecherche. Zum Forschungsteam gehören Prof. Dr. Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien, Prof. Dr. Markus Latzke von der IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems und Dr. Marco Rapp von der Universität Amsterdam.